Content Authenticity: Vertrauen braucht Herkunft
- 25. August 2026
- Allgemein, Know-How, Produkte, Startseite
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Es ist Dienstag. Kurt, Content Owner im Unternehmen, erstellt mit KI ein Bild für eine neue Kampagne. Er lädt es ins DAM, ergänzt die Metadaten und gibt es frei. Eddy braucht das Bild für die Website und schneidet es auf 16:9 zu. Sandra verkleinert es für den Shop. Für die Kampagne konvertiert Kurt es zusätzlich ins WebP-Format. Danach landet das Bild im Newsletter, auf einer Partnerplattform und in den Social-Media-Kanälen. Sechs Monate später findet Gabi das Bild im DAM. Sie sieht ein freigegebenes Kampagnenbild. Aber kann sie es einfach verwenden? Weiss sie noch, woher es ursprünglich kam?
Bei KI-generiertem Content wird diese Frage plötzlich wichtig. Hat Kurt nur einen Prompt geschrieben? Hat er ein bestehendes Foto hochgeladen und verändern lassen? Hat Sandra später mit Photoshop einen Teil des Bildes ergänzt?
Wir wollen hier nicht ins Urheberrecht abtauchen. Uns interessiert eine andere Frage: Können wir sechs Monate später noch nachvollziehen, wie ein Asset entstanden ist?
Genau darum geht es bei Content Authenticity.
Content Authenticity statt KI-Verbot
Generative KI macht Content-Erstellung zugänglicher. Eine Mitarbeiterin aus dem HR braucht für eine interne Kampagne eine Illustration? Sie kann eine Idee mit KI visualisieren, ohne zuerst eine Agentur zu beauftragen. Das Marketing braucht dieselbe Kampagne für die Schweiz, Deutschland und Frankreich? KI unterstützt bei der Erstellung von Textvarianten, Bildanpassungen und Lokalisierungen. Eine Designerin braucht mehr Platz auf der rechten Seite eines Fotos, weil dort ein Button stehen soll? Sie erweitert den Hintergrund mit generativer KI.
KI beschleunigt Content-Prozesse und gibt mehr Menschen Werkzeuge, um Ideen umzusetzen.
Die Frage ist also: Wie schaffen wir Vertrauen in Content, wenn immer mehr Menschen und Systeme ihn verändern können?
Dafür brauchen wir eine Chain of Trust. Ein Asset sollte seine Herkunft nicht bei jedem Verarbeitungsschritt verlieren. Wenn Kurt ein KI-Bild erstellt, Eddy daraus einen Crop macht und Sandra anschließend die Farben anpasst, sollten wir diese Geschichte später noch nachvollziehen können. Technische Standards dafür gibt es bereits.
C2PA: Woher kommt dieses Bild?
Einer der wichtigsten Standards ist C2PA, kurz für Coalition for Content Provenance and Authenticity. C2PA ermöglicht es, Informationen über die Herkunft und Bearbeitung eines digitalen Inhalts kryptografisch mit dem Asset zu verbinden. Darauf basieren die sogenannten Content Credentials.
Ein Beispiel:
- Kurt erstellt ein Bild mit einem KI-Tool.
- Das Asset erhält Informationen darüber, wie es entstanden ist.
- Sandra öffnet das Bild später in einem Bildbearbeitungsprogramm und erweitert den Hintergrund.
- Anschließend erstellt Eddy daraus einen Crop für Instagram.
Im Idealfall können wir später nachvollziehen:
KI-generiertes Ausgangsbild → Hintergrund erweitert → Instagram-Crop erstellt
C2PA sagt dabei nicht: „Dieses Bild ist wahr.“
Der Standard hilft vielmehr bei der Frage: „Was wissen wir über die Herkunft und Bearbeitung dieses Bildes?“
Eine Chain of Trust muss Bearbeitung aushalten
Unternehmensinhalte werden immer verändert. Ein Produktfoto mit 6000 × 4000 Pixeln liegt im DAM.
- Eddy erstellt daraus einen quadratischen Social-Media-Crop.
- Sandra braucht dasselbe Bild mit 1200 Pixeln Breite für den Shop.
- Kurt konvertiert es für eine Kampagne in WebP.
- Ein Partner lädt das Bild herunter und baut daraus einen Banner.
Jeder dieser Schritte erzeugt möglicherweise eine neue Variante. C2PA kann solche Zusammenhänge über sogenannte Ingredients abbilden. Ein neues Asset kann auf das vorherige Asset verweisen und zusätzliche Bearbeitungsschritte dokumentieren. So entsteht nicht nur ein einzelner Herkunftshinweis, sondern eine nachvollziehbare Kette: Original → Bearbeitung → Derivat → Auslieferung
Genau das meinen wir mit einer Chain of Trust.
Und welche Rolle spielt das DAM?
Jetzt kommen wir zurück zu Kurt und Gabi.
- Kurt lädt sein neues KI-Bild ins DAM. Dort setzt er beispielsweise den Status: AI-generated.
- Sandra bearbeitet ein bestehendes Produktfoto mit generativer KI. Dieses Asset erhält: AI-modified
- Ein weiteres Bild darf nur für die Schweizer Website verwendet werden: Usage restricted
- Und ein viertes Bild hat Marketing bereits geprüft: Approved
Das DAM sammelt diese Informationen an einem zentralen Ort. Der KI-Status wird damit zu einem normalen Bestandteil der Asset Governance – genauso wie Freigabestatus, Nutzungsrechte, Copyright oder Ablaufdatum.
Gabi muss sechs Monate später also nicht Kurt fragen. Sie schaut auf das Asset und sieht, was sie darüber wissen muss. C2PA und Content Credentials können diese Governance zusätzlich um technisch abgesicherte Informationen zur Provenienz ergänzen.
Maschinen brauchen Informationen. Menschen brauchen Orientierung.
Das löst allerdings noch nicht unser Vertrauensproblem. Ein System kann ein C2PA-Manifest auslesen. Ein Mensch, der auf einer Website ein Bild betrachtet, macht das normalerweise nicht. Oder anders gesagt: Unser Personalausweis enthält viele Informationen. Wir tragen ihn trotzdem nicht auf der Stirn.
Deshalb brauchen wir beides: maschinenlesbare Informationen und verständliche Hinweise für Menschen.
Ein Beispiel:
- Im DAM steht: AI-generated
- Ein Auslieferungssystem liest diesen Wert aus.
- Auf der Website erscheint – wenn es für diesen Anwendungsfall vorgesehen oder erforderlich ist – ein sichtbarer Hinweis wie: „KI-generiertes Bild“
- Gleichzeitig können technische Informationen im Asset erhalten oder ergänzt werden.
Damit verstehen Maschinen den Status und Menschen bekommen Orientierung und Vertrauen dem Inhalt und damit der Marke gegenüber.
Der EU AI Act bringt Transparenz in den Prozess
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Act. Der AI Act unterscheidet zwischen verschiedenen Inhalten, Rollen und Einsatzszenarien. Für bestimmte KI-generierte oder manipulierte Inhalte gelten Anforderungen an maschinenlesbare Kennzeichnungen. In bestimmten Anwendungsszenarien kommen Offenlegungspflichten hinzu.
Unternehmen müssen diese Anforderungen deshalb in konkrete Regeln übersetzen. Nehmen wir wieder Kurt. Er lädt ein KI-generiertes Bild ins DAM und setzt AI-generated. Ab diesem Moment sollte Kurt nicht bei jeder Verwendung erneut überlegen müssen: Muss ich hier kennzeichnen? Welches Label brauche ich? Muss ich Metadaten ergänzen? Was gilt für den Shop? Und was für die Website?
Der Prozess sollte diese Entscheidungen übernehmen.
DAMlivery: vom Asset-Status zur Auslieferungsregel
Genau dafür haben wir DAMlivery um AI Labelling erweitert.
Kurt lädt ein KI-generiertes Kampagnenbild hoch und setzt AI-generated. DAMlivery liest diesen Status aus und wendet die hinterlegten Regeln an, z.B. Format, Cropping, Kennzeichnung.
- Eddy bindet den DAMlivery Link zum Bild auf der Website ein. DAMlivery generiert das WebP-Derivat und fügt die definierte Kennzeichnung hinzu.
- Sandra braucht dasselbe Asset im Shop in einer kleineren Auflösung. DAMlivery erzeugt auch diese Variante nach denselben Governance-Regeln.
- Ein Partner braucht das Bild in einem anderen Format. Wieder greift die hinterlegte Logik.
Kurt kennzeichnet das Asset einmal im DAM. Der Prozess übernimmt den Rest. Und weil DAMlivery über APIs mit unterschiedlichen DAM-Systemen arbeitet, hängt diese Logik nicht von einem bestimmten DAM-Hersteller ab.
Damit beginnt der eigentliche Perspektivwechsel nicht beim sichtbaren AI-Label, sondern beim Prozess im DAM.
Dort kennt das Unternehmen bereits Rechte, Freigaben, Copyright, Nutzungseinschränkungen und andere Asset-Informationen. Der AI-Status erweitert diesen bestehenden Content-Prozess lediglich um eine weitere Information. Damit ist im DAM definiert: „Dieses Asset ist freigegeben, AI-generated und darf für Website und Shop verwendet werden.“
DAMlivery übersetzt diese Informationen anschließend in konkrete Auslieferungsregeln. So muss niemand eine Excel-Liste pflegen. Niemand muss eine Arbeitsanweisung neben dem Bildschirm liegen haben. Und Gabi muss sechs Monate später auch nicht herausfinden, wer das Bild damals erstellt hat.
Die Information reist mit dem Asset. #nimmlieberdenlink